„Kaum wiederzuerkennen….“

Altarweihe und Wiedereinweihung der Wiener Dominikanerkirche

In Wien wurde am Laetare-Sonntag, 27. März 2022 durch den Wiener Kardinal Christoph Schönborn OP die Wiener Dominikanerkirche wieder eingeweiht. In einer bewegenden Feier konsekrierte der Dominikaner als Erzbischof – 52 Jahre nach seiner Priesterweihe in dieser Kirche – auch den neuen Altar aus Kunstharz, der mit Ambo und Kerzenleuchter in der barocken Kirche einen modernen Akzent setzt. Er nimmt durch die Materialität von gelbem Kunstharz neben dem trinitarischen Gedanken und der Verwandlung von „Erde in Himmel“ in der Eucharistie auch das die gesamten Kirche beherrschende Thema Licht auf. Neben der Salbung des Altars mit Chrisam, dem Verbrennen von Weihraucht wurden im Altar auch Reliquien verschiedener dominikanischer Heiliger (Dominikus, Thomas von Aquin, Petrus Martyr, Raimund von Penyafort, Vinzenz Ferrer, Märtyrer von Gorkum) beigesetzt, die auch in verschiedenen Teilen der Kirche einen Widerhall finden.

Nach einem erfolglosen Versuch in den 2000er Jahren und 8 Jahre nach den ersten Planungen für die Wiederaufnahme des Projekts wurde die Kirche nach 2 Jahren restaurationsbedingter Schließung wieder eröffnet. Dabei war das Staunen bei allen Besuchern groß, weil die zuvor sehr dunkle Kirche plötzlich in hellem Licht erstrahlt und der barocke Grundgedanke der Kirche wieder eindrücklich sichtbar wird: Gott ist Licht und das Evangelium bringt dieses Licht in die Welt. Viele Details, die vorher nicht mehr sichtbar waren, sind nun wieder erkennbar – und damit auch das sehr vielschichtige theologische Programm der Kirche. Wesentlich zum neuen Gesamteindruck beigetragen hat auch ein kleines, aber nicht unwesentliches Detail: Dass ein Teil der Äedikula des Hochaltars aus dem 19. Jahrhundert, der die wichtigste barocke Lichtquelle, das Rundfenster in der Apsis verdeckt hat, entfernt werden konnte. Dies wurden schon mehrfach angedacht, konnte aber erst jetzt dank des Engagements des Wiener Priors P. Günter Reitzi auch verwirklicht werden. Der Provinzial der Provinz P. Thomas dankte P. Günter am Schluß der Einweihungsfeier sehr herzlich für sein überaus großes Engagement im Rahmen der Kirchenrenovierung – ein Dank, der von den Kirchenbesuchern mit Applaus und stehenden Ovationen bestätigt wurde. Gedankt wurde neben wesentlichen Verantwortlichen von Erzdiözese und Denkmalamt, die mit dem Benemeriti-Verdienstorden des Dominikanerordens geehrt wurden, besonders auch Mechthild D. Kunst OP – eine dominikanische Laiin aus Wien, die mit einem großzügigen Erbe erst die aufwendige und sehr teure Renovierung möglich gemacht hatte.

Kardinal Schönborn wünschte er in einer sehr persönlich gehaltenen Predigt, dass diese Kirche ein „Zuhause“ sei, das uns letztlich an unsere eigentliche Heimat erinnere: das Vaterhaus des barmherzigen Vaters im Himmel. Dabei verband P. Christoph das Sonntagsevangelium von den verlorenen Söhnen mit persönlichen Erlebnissen: den Tod seiner 102-Jährigen Mutter vor kurzem, der ein Heimatverlust sei, seine erste Begegnung mit diesem Gotteshaus als 16-Jähriger, damals schon mit dem Gedanken Dominikaner zu werden und das Zeugnis von Mitbrüdern im Blick auf den Tod und die Heimkehr ins Vaterhaus.

Und das alles zum Anschauen auf dem youtube-Kanal unserer Wiener Brüder